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Menschvadder, mach dein Ding…

Es ist wirklich faszinierend, den eigenen Kindern beim Aufwachsen zuzusehen. Alles, was mich in meinem bisherigen Leben geprägt hat, scheint dabei auf einmal zusammenzulaufen. Da waren Menschen, die für mich da waren – und andere, die es nicht waren. Positive und negative Vorbilder, starke Persönlichkeiten und Menschen, die mit sich selbst und dem Leben gehadert haben. Menschen, die objektiv betrachtet gescheitert sind und trotzdem eine große innere Stärke entwickelt haben. Und andere, die nach außen erfolgreich wirken, aber dennoch unglücklich sind und innerlich kaum wachsen. Meine eigenen Erfahrungen, gute wie schlechte.

Oft hatte ich Angst davor, selbst einmal so zu werden wie die Menschen, die mir am nächsten standen – meine Eltern. Und selbst wenn manches in meiner Erziehung schwierig oder falsch war, gab es doch auch vieles, das gut war. Versteh mich nicht falsch: Es ist wichtig, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und ehrlich zu reflektieren. Das ist auf jeden Fall besser, als alles zu verdrängen. Denn die eigentliche Gefahr besteht darin, den Zugang zu den eigenen Gefühlen zu verlieren.

Eine andere Gefahr liegt allerdings darin, nur noch auf das Schlechte zu schauen und dabei all das Gute auszublenden. Genau dadurch kann man unbewusst selbst Fehler wiederholen. Wenn Eltern etwa sehr streng oder einengend waren, entsteht später oft der Wunsch nach einer besonders partnerschaftlichen Beziehung zu den eigenen Kindern. Das ist grundsätzlich etwas Gutes. Problematisch wird es erst dann, wenn aus Angst vor Strenge plötzlich gar keine Grenzen mehr gesetzt werden und grenzüberschreitendes Verhalten toleriert wird. Dann läuft man Gefahr, aus der Gegenbewegung heraus neue Fehler zu machen – und es am Ende nicht unbedingt besser zu machen.

Es liegt eine große Heilkraft darin, wirklich erwachsen zu werden. Vielleicht zeigt sich Reife genau darin, den eigenen Eltern rückblickend auch ihr Unwissen und ihre Begrenztheit verzeihen zu können. Denn unabhängig davon, wie sie waren oder was sie falsch gemacht haben: Sie sind ein Teil meiner Geschichte und damit auch ein Teil meiner Identität – und das wird immer so bleiben.

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