Ich lese gerade in der Movo (01/2026) einen Artikel darüber, wie wichtig es ist, man selbst zu sein und sich treu zu bleiben. Er spricht mich sehr an. Anders als die Überschrift vermuten lässt, geht es nicht nur um Liebe im klassischen Sinn – wie so oft in christlichen Zeitschriften –, sondern um etwas Tieferes. Der Autor beschreibt Liebe auf eine Weise, die genau den Kern dessen trifft, was mich gerade beschäftigt: Ich selbst empfinde mein Leben als eher durchschnittlich.
Ich lege gern Puzzles, spiele Karten und treffe Entscheidungen nicht leichtfertig – oft denke ich lange über mögliche Folgen nach. Ein Unternehmer oder Leistungssportler bin ich nicht. Und doch beschreibt der Artikel Liebe so, dass wir das, was wir tun, mit Hingabe und aus Überzeugung tun sollten – so oft wie möglich, auch wenn der unmittelbare Nutzen für andere nicht immer sichtbar ist.
Das verleiht dem Alltag eine besondere Bedeutung. Jeder Mensch ist wichtig, jeder hat seinen Platz, und aus christlicher Sicht ist jeder von Gott gewollt – denn Gott ist die Liebe. Manchmal bedeutet das auch, Zweiter zu sein oder Niederlagen hinzunehmen. Gerade im Leistungssport sieht man, wie nah Erfolg und Scheitern beieinanderliegen. Vielleicht liegt die größere Stärke darin, nach einer Niederlage wieder aufzustehen und sich neu auszurichten.
Das fällt mir nicht immer leicht. Niederlagen zu akzeptieren und mich neu zu orientieren gehört nicht zu meinen größten Stärken. Ich spüre zwar, wenn ich mal wieder über mich hinaus wachsen möchte – um im Bild des Autors zu bleiben: wenn der Schuh drückt –, aber ich habe gelernt, meine Grenzen anzunehmen und mich nicht mehr in jedes Abenteuer zu stürzen. Und das ist keine Schwäche. Je bewusster mir wird, dass unser Leben endlich ist, desto leichter fällt es mir, meine eigene Durchschnittlichkeit anzunehmen und mich an den vielen kleinen Geschenken des Alltags zu freuen.
Und damit bin ich wieder bei der Liebe.
Kategorie: stark sein
Kennst du das? Dieses „Warum ist mein Kind so schwierig?!“ – und im Kopf gleich das Echo: „Was mach ich nur falsch?!“
Versuch mal den Dreh: Stattdessen frag dich – „Wie kann ich ihm helfen?“
Klingt klein, macht aber riesig was mit deiner Haltung. Weg vom Frust, hin zur Verbindung.
Nicht meckern, sondern begleiten.
Denn meist steckt hinter dem Verhalten kein böser Wille, sondern ein echtes Bedürfnis. Was will mir das Verhalten zeigen?
Du beobachtest dein Kind also eingebettet in (aktuelle) Zusammenhänge und siehst sein Verhalten nicht als feststehenden Charakter-Makel.
Der Punkt ist: Verhaltensauffälligkeiten nicht gleich als „Störung“ abstempeln.
Statt auf das zu schauen, was nicht klappt, lieber fragen: Welche Stärke steckt dahinter?
Oft geht’s gar nicht um „Fehler“, sondern um noch fehlende Fähigkeiten. Kinder müssen manche Dinge einfach erst lernen – mit unserer Unterstützung, Geduld und Ermutigung. So wird aus „Problemverhalten“ ein Lernprozess.
Dein Kind wirkt aggressiv? Dahinter kann Stärke stecken – der Mut, eigene Grenzen zu setzen und für sich einzustehen.
Bringt dich seine Ungeduld auf die Palme? Vielleicht steckt Neugier, Energie und Tatendrang dahinter. Hier wird in einem Problem seine Stärke sichtbar.
Statt dich zu fragen, „Warum ist mein Kind so schwierig?“,
könnte die bessere Frage sein: „Was fehlt ihm noch, um mit der Situation klarzukommen?“ ein
Ein Ziel ist es, unseren Kindern beizubringen, mit Problemen und Veränderungen im Leben klarzukommen.
Wenn du das erkennst, kannst du deine Energie dahin lenken, es beim Lernen zu unterstützen, statt dich in endlosen Machtkämpfen zu verlieren.
So wird aus Stress wieder Zusammenarbeit. Dann kannst du das Drohen und Strafen endlich lassen und das große Ganze besser erkennen und erlebst dich wieder als stark und handlungsfähig.*
Eine persönliche Erfahrung: etwas Einfallsreichtum schadet nicht. Ich berede gerne Sachen, aber dabei soll’s nicht bleiben. Viel mehr muss es hier sein Gleichgewicht geben. Meine investierte Energie muss im Verhältnis zum Lernerfolg stehen. Das bedeutet in Umkehrschluss, das Erfolge sich nicht automatisch einstellen. Das Kind muss also meine Mühen mitbekommen und es muss Folgen haben, wenn sich Lernerfolg nicht einstellt nach einer gewissen Zeit.
*Der Text ist eine Zusammenfassung vom folgenden Artikel, der am 4.11.25 auf eltern.de erschienen ist (https://www.eltern.de/familie-urlaub/aggressiv–wild–ungeduldig–mit-diesem-satz-findest-du-zugang-zu-deinem–schwierigen–kind-13587070.htm).
Menschvadder, die Routine ruft…
Die Sommerferien sind vorüber. Sechs Wochen voller Unterhaltung, Freude und Abwechslung liegen hinter mir. Ich fühle mich gestärkt und starte mit frischer Energie in die nächste Etappe – zurück in den Familienalltag.
Doch mir ist bewusst, dass diese Kraft nicht dauerhaft anhalten wird. Mit der Zeit wird sie sich langsam erschöpfen, bis schließlich wieder nur die Routine bleibt – das reine Funktionieren, das Überleben.
Ein Gedanke beschäftigt mich: Ist es nicht an der Zeit, wieder etwas Neues zu wagen? Ich ertappe mich dabei, nach freien Stellen in meinem Kalender zu suchen. Mein Interesse an Teamsport und regelmäßigem Training flammt gerade wieder auf. Gleichzeitig weiß ich, dass es auch die Abende geben wird, an denen ich froh bin, einfach zur Ruhe zu kommen und Kraft zu sammeln. Noch mehr Gelegenheiten, mich völlig auszupowern, brauche ich vielleicht gar nicht.
Wenn ich weiter darüber nachdenke, merke ich, dass ich im Moment wohl an meine Grenzen stoße. Eigentlich bin ich mit meinem Leben zufrieden – und doch stört es mich, dass ich mich zurücknehmen muss. Ich habe es geschafft, echte Gemeinschaft mit Menschen in meinem Umfeld aufzubauen, und das hat für mich eine hohe Priorität und fordert mich. Auch in meinem Job bin ich zufrieden, dort zählt ebenfalls die Teamleistung sehr viel. Würde ich also etwas Neues integrieren wollen, müsste ich zwangsläufig auf etwas anderes verzichten. Aber genau das will ich eigentlich nicht.
Ich spüre, wie schwer es mir fällt, meine eigenen Grenzen zu akzeptieren. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung: nicht immer weiterzugehen, sondern auch stehenbleiben zu können. In der Routine erscheint mir das leichter, fast selbstverständlich. Doch sobald ich darüber hinaus will, stoße ich an diese unsichtbaren Mauern. Vielleicht gehört es zum Menschsein, dass wir uns an Grenzen reiben – weil wir ohne sie keine echte Entwicklung spüren würden.
Es ist bemerkenswert, wie stark in unserer Zeit Anonymität und der Rückzug aus gewachsenen familiären Strukturen nach wie vor geschätzt werden. Doch ich bin überzeugt, dass es keinen gesunden Weg gibt, eine kleine abgeschlossene Welt für sich allein zu schaffen. Wer ausschließlich auf sich selbst fixiert lebt, kann kein echtes Gefühl von Zugehörigkeit entwickeln. Das gilt ebenso für die Kleinfamilie, die niemals isoliert und autark von der restlichen Welt bestehen sollte.
Was möchte ich also meinen Kindern mitgeben? Ob in christlichen Gemeinschaften, in der Dorfgemeinschaft, im Sportverein oder im Kreis der eigenen Familie – es geht darum, einen Platz zu finden. Am Ende führen all diese Wege zur gleichen Erkenntnis: Wir brauchen andere Menschen, und wir möchten auch selbst gebraucht werden. Natürlich verändern sich diese Kreise mit der Zeit, manche gewinnen an Bedeutung, andere treten zurück. Eine gewisse Unabhängigkeit ist wichtig – doch ohne Verbindungen verkümmert das Leben.
Die Einsamkeit vieler Menschen zeigt, wie sehr unsere Gesellschaft darunter leidet, Bindungen zu verlieren. Einsamkeit ist kein Zustand, den man verklären sollte. Janosch Schobin hat in Zeiten der Einsamkeit eindrucksvoll beschrieben, wie verbreitet dieses Leiden ist. Ich selbst glaube: Es geht um die Balance – genug Raum für die eigenen Interessen, aber ebenso Kraft und Einsatz für echte Gemeinschaft.
Gerade im Familienleben fühle ich mich manchmal gebunden, ja sogar einsam. Denn sobald eigene Ambitionen hinzukommen, bleibt oft wenig Energie, um darüber hinaus ein tragfähiges soziales Umfeld aufzubauen. Spontane Kontakte entstehen meist dort, wo weniger Verantwortung drückt – am ehesten bei Menschen ohne Kinder. Das ist ein Geheimtipp:)
Und doch liegt gerade im Privaten eine große Chance: über die Kinder neue Menschen kennenzulernen, gemeinsam Situationen zu meistern, die zusammenschweißen. Das, was Frauen oft intuitiv schaffen, war Männern lange Zeit nur bestimmten Lebensbereichen vorbehalten – den Jugendfreunden, der Kneipe oder dem beruflichen Umfeld. Im Privatleben hatten Frauen hier meist das bessere Gespür für Gemeinschaft. Aber auch wir Männer können das – und wir sollten es vorleben. Oft braucht es dazu gar nicht viel: einen guten Freund einladen, den Onkel einspannen, einen ausgedehnten Verwandtschaftsbesuch organisieren oder einfach ein gemeinsames Fest. An Ideen mangelt es nicht – nur manchmal am Mut, sie umzusetzen.
Männer, spricht mit euren Kindern darüber wie toll und schön diese Welt ist. Spricht aber nicht nur darüber, sondern zeigt es ihnen. Zeigt ihnen die Welt ungeschönt, in allen Farben.
Oft prägen Irrwege und Schuldgefühle das Leben eines erwachsenen Menschen, wohingegen die Kindheit in der Regel unschuldig und völlig frei und unberührt von Wirrungen und Fehlentscheidungen ist.
Ob Geschichte, Naturkunde, Technik oder Philosophie, die hohe Kunst des Schauspiels oder im Einsatz und Dienst an eurem Nächsten. Ganz gleich, wo ihr euch auskennt – wichtig und entscheidend ist die Hingebung. Bringt euren Kindern bei, das was sie tun mit Liebe zu tun. Und verbindet damit die entfachte Hoffnung, dadurch diese Welt ein kleines bisschen besser zu machen.
Zeigt euren Kindern die Welt in der Farbe der Liebe. Bringt ihnen bei, was richtig und was falsch ist. Besser noch, lebt es ihnen jeden Tag vor. Dieser Ort, wo alles das anfänglich stattfinden sollte, nennt ihr dann euer Zuhause.
Menschvadder, Nähe ist wichtig…
Die Nähe zu den eigenen Kindern ist etwas Wesentliches. Für mich ist das selbstverständlich – und doch merke ich immer wieder: gelebte Nähe ist weit mehr als ein Lippenbekenntnis. Sie erfordert Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf Situationen einzulassen, die nicht immer leicht sind.
Die Beziehung zwischen einem Vater und seinen Kindern kann einfach wirken, aber in der Tiefe ist sie oft komplex. Sie unterscheidet sich deutlich von dem, was Mütter aufbauen – nicht zuletzt, weil ein Kind schon vor der Geburt mit der Mutter verbunden ist. Das ist ein gewaltiger Vorsprung. Doch auch nach der Geburt gibt es viele Elemente, die Nähe schaffen – und in denen Frauen intuitiver und natürlicher agieren als wir Männer. Natürlich spielen auch die Persönlichkeit des Kindes, sein Geschlecht und die eigene Veranlagung eine Rolle.
Meine beiden Kinder sind Jungs. Sie sind wilder, lebhafter, manchmal auch anstrengender – und genau dafür werden Jungen oft kritisiert. Ich glaube, Männer können dieses wilde Verhalten leichter annehmen und verstehen, dass es einfach Teil des Spiels ist. Wir können Sparringspartner sein. Gleichzeitig fällt es uns oft schwerer, Nähe und Respekt, Selbstständigkeit und Vertrautheit miteinander zu verbinden. Die eigenen Ziele geraten dabei schnell in Konflikt. So kommt es, dass viele Versuche, Nähe zu schaffen, scheitern – manchmal fühlt es sich an, als blieben 80 Prozent wirkungslos. Dranzubleiben und nicht aufzugeben, ist eine der größten Herausforderungen. Das habe ich besonders mit meinem älteren Sohn erlebt. Bei meinem jüngeren hingegen erlebe ich eine größere Offenheit: er nimmt Zuwendung bereitwillig an, er saugt Liebe auf. Das macht Hoffnung – und erinnert daran, dass kein Kind dem anderen gleicht.
Wie also gelingt Nähe in schwierigen Momenten? Für mich ist es hilfreich, bewusst Rollen zu tauschen. Auch in Bereichen, die vielleicht traditionell der Mutter zugeschrieben werden, möchte ich präsent sein: beim Eincremen, beim Kuscheln, beim Zärtlichsein. In solchen Augenblicken entsteht Körperkontakt, entsteht Vertrauen. Und immer dann, wenn mein Kind zu mir aufschaut, sich anlehnt, will ich Halt geben.
Mit ein wenig Mut gelingt es manchmal auch, über den Umweg des Alltags ins Gespräch zu kommen – Informationen wahrzunehmen, die mir sonst entgehen würden, weil ich wieder einmal den sprichwörtlichen Elefanten im Raum übersehe. Nähe ist kein Selbstläufer, sondern ein Prozess. Aber es lohnt sich, diesen Weg zu gehen.
Menschvadder, Scham ist eine Fessel…
Wir alle sind einzigartig, auf unsere eigene Art und Weise. Und das ist gut so. Auch unsere Kinder tragen diese Eigenheiten in sich – manchmal ähnlich wie wir, manchmal völlig anders.
Es kann sein, dass dich deine Familiensituation überfordert. Vielleicht ist dein Kind so fordernd, dass du dich dem kaum gewachsen fühlst. Vielleicht lehnt es vieles ab, was dir am Herzen liegt, oder es sieht es kritisch. Vielleicht ist es auch eine chronische Krankheit, die so viel Raum einnimmt, dass kaum Zeit zum Durchatmen bleibt.
In solchen Momenten ist eines besonders wichtig: offen über die eigenen Umstände zu sprechen. Vertraue dich jemandem an – einer Person deiner Wahl. Direkt, ehrlich, ohne Hemmungen und vor allem ohne Scham. Heimlichkeiten sind nie ein guter Weg, mit schwierigen Situationen umzugehen. Im Gegenteil: Verheimlichen aus Angst vor Kritik oder Ablehnung macht die Last nur größer und kann das Problem noch verschärfen. Außerdem leben wir unseren Kindern mit jedem Verhalten etwas vor. Wenn sie erleben, dass Schwierigkeiten verschwiegen werden, kann das Schuldgefühle verstärken und eine ohnehin belastende Situation zusätzlich verschärfen.
Einen einfachen Weg im Umgang mit Schwierigkeiten im Familienalltag gibt es nicht – und hat es wohl auch nie gegeben. Höhen und Tiefen gehören dazu, seit jeher. Besonders einschneidend sind die Umbrüche: Veränderungen, auf die wir nicht vorbereitet sind und mit denen wir als Familie ringen müssen. Aber nüchtern betrachtet geht es uns allen irgendwann so. Familienleben ist nur ein weiteres Feld, in dem sich unsere Vorstellungen von einem guten Leben zeigen.
Mein Wunsch ist, dass Familie dabei nicht zu einem abgeschlossenen Ort wird, der von der Welt abgeschottet ist. Familie darf Rückzugsort sein, aber niemals ein Ort, an dem man einsam bleibt.
Erfolge machen mit einem Mann gar nix, die Niederlagen formen und machen dich stark und weise. Die Kunst dabei ist, das Verlieren nicht zur Angewohnheit werden zu lassen.
//Ein gutes Jahr
Ein toller Film. Und eine tolle Feststellung. Der Grund, weshalb es jede Niederlage verdient wie ein großer Erfolg gefeiert zu werden.
Heute spüre ich das Bedürfnis, mich dieser Frage zu stellen – ganz spontan: Was für ein Mensch möchte ich sein?
Mein erster Gedanke ist: Ich möchte jemand sein, der anderen eine zweite Chance gibt. Neulich las ich einen Bericht, in dem dieses christliche Lebensmotto als tägliches Rettungsboot beschrieben wurde – ein Halt, um in einem fordernden Umfeld nicht unterzugehen. Warum also ein Mensch, der anderen eine zweite Chance gibt? Weil jeder Mensch sie verdient.
Wir alle machen Fehler. Wir verletzen andere durch unbedachte Worte, durch Notlügen oder auch nur durch schlechte Gedanken. Schuld sammelt sich an – vor Gott und vor den Menschen. Und doch wird mir immer wieder vergeben. Ich bin darauf angewiesen.
Als Vater wünsche ich mir deshalb, ein gütiger Vater zu sein. Einer, der immer wieder vergibt. Einer, der neu ansetzt – gerade dann, wenn mein Kind es vermeintlich nicht verdient hat und mich doch am meisten braucht. Ich möchte teilhaben an der Erziehung meiner Kinder, für sie und für meinen Partner da sein.
Für mich selbst wünsche ich mir etwas Einfaches und zugleich Schweres: meine Grenzen anzunehmen. Den richtigen Moment zu erkennen, um zurückzutreten. Und vor allem: mein eigener bester Freund zu sein. Mich so zu akzeptieren, wie ich bin.
Menschvadder, Gefühle sind wichtig….
Dass Gefühle wichtig sind, ein integraler Bestandteil deiner selbst – und dass der Umgang mit ihnen ein Ausdruck von Selbstliebe ist – das steht außer Frage. Gefühle zu ignorieren bedeutet, dich selbst zu betrügen. Samet Eroglu beschreibt in seinem Buch Durch Mündigkeit zur Selbstliebe sehr eindrücklich, wie ein gesunder Umgang mit Gefühlen aussehen kann.
Ich selbst habe mich lange davor gescheut, diesen Umgang zu lernen. Gefühle können einem „echten Mann“ Angst machen. Eroglu schreibt, dass Gefühle ihren Ursprung in den tiefsten Überzeugungen haben – Überzeugungen, die wir uns auf ganz unterschiedliche Weise im Laufe unseres Lebens aneignen. Damit führt kein Weg daran vorbei, sich ihnen zu stellen.
Mein Weg ist das Schreiben. Wenn mich etwas beschäftigt und starke Gefühle in mir auslöst – etwa Angst – dann versuche ich, es aufzuschreiben. So setze ich mich mit dem Gefühl auseinander, bringe meine Überzeugungen zu Papier und habe sie schwarz auf weiß vor mir liegen. Diese Methode hat mir schon oft geholfen, schwierige Entscheidungen zu treffen und Krisen zu überstehen.
Darum: Scheue dich nicht vor schweren Gefühlen. Übernimm Verantwortung im Umgang mit ihnen. Das tut nicht nur dir gut, sondern auch deiner Familie. Denn indem du dich deinen Gefühlen stellst, lebst du deinen Kindern etwas Entscheidendes vor: den Mut, sich selbst ernst zu nehmen. Und ich bin überzeugt – nichts prägt die innersten Überzeugungen eines Kindes stärker, als das, was es Zuhause vorgelebt bekommt.