Zwischen Helfen und Loslassen:
Es ist manchmal verdammt schwierig, bei den eigenen Kindern das richtige Maß zu finden. Wann brauchen sie uns wirklich? Wann sollten wir helfen? Und wann ist es vielleicht besser, sich zurückzuhalten und sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen?
Manchmal beschleicht mich dabei das Gefühl, mich selbst ein Stück weit aufzugeben. Hier noch schnell mithelfen, dort noch etwas Gutes tun, eine Aufgabe übernehmen, einen Konflikt vermeiden. Und das alles neben dem ganz normalen Trubel, den das Leben ohnehin schon mit sich bringt.
Dabei hat das Ganze auch etwas mit der eigenen Einstellung zu tun. Denn seien wir mal ehrlich: Nach all den Jahren, in denen die Kinder uns nahezu ununterbrochen gebraucht haben, ist es doch auch schön, wenn langsam etwas Licht am Horizont erscheint. Wenn das eigene Leben wieder ein bisschen spontaner werden darf. Wenn man sich selbst und den eigenen Bedürfnissen wieder etwas mehr Raum geben kann.
Schließlich sind auch wir Eltern nur Menschen. Mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Grenzen.
Ich habe mich lange schwer damit getan, hier das richtige Maß zu finden. Und eigentlich tue ich das noch immer. Es ist ein ziemlicher Eiertanz zwischen Fordern und Fördern, zwischen Unterstützen und Loslassen. Was kann ich meinen Kindern in welchem Alter zumuten? Wann ist Hilfe angebracht? Wie lange sollte sie dauern? Und vor allem: Wie komme ich aus der Nummer wieder heraus, ohne dass gleich der nächste Konflikt entsteht?
Ein Beispiel aus unserem Familienalltag hat mir dazu in letzter Zeit einiges vor Augen geführt.
Unser Großer trägt einmal in der Woche Zeitungen aus. Ich finde das eine tolle Sache. Er übernimmt Verantwortung, verdient sein eigenes Geld und erfährt ganz nebenbei, dass Geldverdienen eben auch mit Arbeit verbunden ist. Für seine rund 50 Euro im Monat darf er sich durchaus ein bisschen anstrengen.
Allerdings merke ich auch, wie schwer ihm das manchmal fällt. Die ganze Woche Ganztagsschule, dazu Sport und all die anderen Anforderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen. Da kann ich schon verstehen, dass die Begeisterung am Samstagmorgen überschaubar ist.
Und dann ist da natürlich noch der innere Schweinehund. Den kenne ich schließlich selbst gut genug. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, eine unangenehme Aufgabe abzukürzen oder aufzuschieben, dann ist die Versuchung eben groß.
Bei uns führen solche Situationen leider immer wieder zu Konflikten. Und gerade bei dieser Sache wollte ich das vermeiden. Ich wollte nicht, dass das Zeitungsaustragen zu einem weiteren wöchentlichen Streitthema wird. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht, dass er die Sache einfach hinschmeißt, sobald es schwierig wird.
Also haben wir uns etwas überlegt.
Wir haben einen kleinen Vertrag geschlossen. Für ungefähr drei Monate unterstütze ich ihn jeden Samstag eine Stunde beim Zeitungsaustragen. Allerdings unter bestimmten Bedingungen: Ich stehe nur bis spätestens 10 Uhr zur Verfügung, und die Zeitungen müssen bis zu einer vereinbarten Uhrzeit ausgetragen sein.
Mir war dabei wichtig, dass es seine Aufgabe bleibt. Ich helfe ihm, aber ich übernehme nicht seine Verantwortung. Schließlich verdient er das Geld und nicht ich.
Und siehe da: Er hat das Angebot dankend angenommen. Mehr noch, er scheint plötzlich motivierter zu sein als je zuvor.
Vielleicht liegt es daran, dass die Aufgabe für ihn überschaubarer geworden ist. Vielleicht daran, dass er weiß, dass er nicht alles allein schaffen muss. Oder einfach daran, dass wir aus einer Situation, die vorher regelmäßig für Ärger gesorgt hat, etwas Gemeinsames gemacht haben.
Wir haben die Vereinbarung bewusst zeitlich begrenzt und schriftlich festgehalten. Nach und nach möchte ich meine Unterstützung reduzieren. Irgendwann helfe ich nur noch eine halbe Stunde. Und schließlich soll er die Aufgabe wieder vollständig allein übernehmen.
Ob das alles so funktioniert, wird sich zeigen. Mit Kindern läuft schließlich selten alles nach Plan.
Aber ich glaube, dass wir damit einen ganz guten Weg gefunden haben.
Denn vielleicht liegt genau darin die Kunst des Elternseins: nicht jede Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen, aber auch nicht einfach zuzusehen, wenn die Kinder daran zu scheitern drohen.
Manchmal brauchen sie einen kleinen Schubs. Manchmal eine helfende Hand. Und manchmal eben auch jemanden, der ihnen zutraut, dass sie es allein schaffen.
Für mich ist diese kleine Geschichte jedenfalls auch eine Mahnung an mich selbst. Gerade dann, wenn ich glaube, dass die Kinder doch inzwischen groß genug sein müssten, um bestimmte Dinge allein hinzubekommen.
Sie werden selbstständiger. Sie brauchen uns anders als früher. Aber sie brauchen uns eben immer noch.
Vielleicht bedeutet Loslassen gar nicht, weniger für seine Kinder da zu sein. Sondern ihnen so zu helfen, dass sie uns irgendwann an genau dieser Stelle nicht mehr brauchen.
Und vielleicht ist das auch für uns Eltern ein ganz guter Weg, langsam wieder ein bisschen mehr bei uns selbst anzukommen.
Autor: Milo
Vater sein bedeutet nicht nur, da zu sein.
Also körperlich schon. Natürlich. Das ist vermutlich die Grundvoraussetzung. Aber Anwesenheit allein macht noch keine Teilhabe.
Und vielleicht ist genau das etwas, das wir Männer manchmal unterschätzen.
Es gibt unzählige Situationen im Leben eines heranwachsenden Menschen, in denen Männer prägend sein können. Nicht nur Väter übrigens. Großväter, Onkel, Lehrer, Trainer, Freunde der Familie. Und diese Situationen finden selbstverständlich nicht ausschließlich zu Hause statt.
Trotzdem ist das Zuhause ein besonderer Ort.
Denn dort erleben Kinder uns ungefiltert.
Nicht nur beim gemeinsamen Frühstück am Sonntagmorgen oder beim Ausflug, wenn alle einigermaßen ausgeschlafen sind und das Familienleben so aussieht, wie man es sich vorher vorgestellt hat.
Sondern auch dann, wenn die Korken knallen.
Wenn jemand die Tür zuschlägt. Wenn einer ungerecht wird. Wenn zwei unterschiedliche Vorstellungen aufeinanderprallen. Wenn die Kinder Grenzen ausprobieren und wir Erwachsenen unsere eigenen manchmal erst suchen müssen.
Gerade diese Situationen halte ich für wichtig.
Denn Konflikte gehören zum Leben. Und den Umgang damit lernen Kinder nicht aus einem Buch. Sie lernen ihn, indem sie uns beobachten.
Wie streiten wir?
Wie setzen wir Grenzen?
Wie reagieren wir, wenn jemand diese Grenzen überschreitet?
Wie laut dürfen wir werden?
Und was machen wir eigentlich, nachdem wir zu laut geworden sind?
Auch wir Männer haben dabei unseren Anteil.
Nicht, weil Männer grundsätzlich die besseren Grenzen setzen. Und auch nicht, weil Frauen für die emotionale Seite zuständig wären. So einfach ist die Welt nicht.
Aber wir sind unterschiedlich.
Meine Frau und ich reagieren nicht auf jede Situation gleich. Wir setzen teilweise andere Schwerpunkte, haben unterschiedliche Grenzen und gehen mit Konflikten verschieden um. Manchmal finde ich ihren Weg besser. Manchmal meinen. Manchmal stellen wir hinterher fest, dass wir beide ziemlichen Blödsinn gemacht haben.
Auch das dürfen Kinder sehen.
Besonders bei Jungs finde ich noch etwas anderes wichtig: Sie sollen erleben, dass Frauen Grenzen setzen, widersprechen und sich durchsetzen können. Nicht als theoretische Lektion über Gleichberechtigung, sondern ganz selbstverständlich im Alltag.
Genauso sollen sie Männer erleben, die nicht nur dann auftauchen, wenn etwas repariert, getragen oder entschieden werden muss.
Männer dürfen trösten. Männer dürfen nachgeben. Männer dürfen konsequent sein. Männer dürfen einen Konflikt aushalten, ohne ihn gewinnen zu müssen. Und Männer dürfen sagen: Das war gerade Mist von mir.
Wenn Kinder ausschließlich von Frauen erzogen würden, fehlte ihnen möglicherweise ein Teil dieser Vielfalt. Nicht weil Frauen etwas nicht könnten, sondern weil ihnen schlicht die Perspektive der Männer in ihrem unmittelbaren Alltag fehlen würde.
Andersherum wäre es genauso.
Eine Welt, in der ausschließlich Männer Kinder erziehen, möchte ich mir ebenfalls nicht unbedingt vorstellen. Wahrscheinlich würden wir spätestens nach drei Wochen morgens in Formation zum Zähneputzen antreten.
Vielleicht ist genau das der Punkt.
Kinder brauchen nicht die männliche Erziehung und die weibliche Erziehung.
Sie brauchen Menschen.
Unterschiedliche Menschen, an denen sie sich reiben können. Menschen, die ihnen verschiedene Wege zeigen, mit derselben Situation umzugehen. Menschen, die Grenzen setzen und Nähe zulassen. Die sich streiten und wieder vertragen. Die Fehler machen und sie eingestehen.
Und wenn wir Väter Teil davon sein wollen, reicht es eben nicht, nur auf dem Familienfoto zu stehen.
Wir müssen auch dann da sein, wenn es anstrengend wird.
Vielleicht sogar gerade dann.
Welche langfristigen Konsequenzen das für die Entwicklung unserer Kinder hat, überlasse ich gerne denjenigen, die daraus wissenschaftliche Studien machen.
Für mich reicht zunächst eine viel einfachere Erkenntnis:
Sei da, wenn es wichtig ist.
Auch wenn gerade die Korken knallen.
Als Vater beschäftigt mich immer wieder ein Gedanke: Wir investieren viel Zeit und Energie darin, die körperlichen Bedürfnisse unserer Kinder zu erfüllen. Sie sollen genug zu essen haben, gesund sein, ein warmes Bett und Kleidung haben. Dafür können wir in unseren Breitengraden dankbar sein – Hunger oder existenzielle Not gehören für die meisten von uns glücklicherweise nicht zum Alltag.
Mindestens genauso wichtig erscheint mir aber etwas anderes: Kindern ein echtes Zuhause zu geben. Einen Ort, an dem sie sich sicher, angenommen und geborgen fühlen.
Das ist oft leichter gesagt als getan. Im Familienalltag gibt es unzählige Situationen, die an den Nerven zehren. Dinge funktionieren nicht, obwohl sie schon hundertmal erklärt wurden. Regeln werden vergessen, Aufgaben bleiben liegen und dieselben Konflikte tauchen immer wieder auf. Natürlich frustriert das.
Trotzdem versuche ich mir immer wieder bewusst zu machen: Kinder geben in jedem Moment ihr Bestes – mit den Fähigkeiten, die sie gerade haben. Sie lernen erst, mit der Welt umzugehen. Entwicklung verläuft selten geradlinig und fast nie ohne Rückschläge.
Vielleicht besteht eine der größten Herausforderungen als Eltern genau darin, nicht jede einzelne Situation überzubewerten. Nicht jeder Konflikt muss gewonnen werden. Nicht jedes Scheitern braucht sofort eine Konsequenz. Manchmal ist es wichtiger, das Gefühl von Geborgenheit zu bewahren, als auf seinem Standpunkt zu bestehen.
Ein Zuhause bedeutet für mich nicht, dass immer alles perfekt läuft. Es bedeutet, dass man sich auch dann angenommen fühlt, wenn etwas zum hundertsten Mal schiefgeht. Gerade in diesen Momenten entsteht Vertrauen – und vielleicht ist genau das die Grundlage, auf der Kinder wachsen können.
Menschvadder, mach dein Ding…
Es ist wirklich faszinierend, den eigenen Kindern beim Aufwachsen zuzusehen. Alles, was mich in meinem bisherigen Leben geprägt hat, scheint dabei auf einmal zusammenzulaufen. Da waren Menschen, die für mich da waren – und andere, die es nicht waren. Positive und negative Vorbilder, starke Persönlichkeiten und Menschen, die mit sich selbst und dem Leben gehadert haben. Menschen, die objektiv betrachtet gescheitert sind und trotzdem eine große innere Stärke entwickelt haben. Und andere, die nach außen erfolgreich wirken, aber dennoch unglücklich sind und innerlich kaum wachsen. Meine eigenen Erfahrungen, gute wie schlechte.
Oft hatte ich Angst davor, selbst einmal so zu werden wie die Menschen, die mir am nächsten standen – meine Eltern. Und selbst wenn manches in meiner Erziehung schwierig oder falsch war, gab es doch auch vieles, das gut war. Versteh mich nicht falsch: Es ist wichtig, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und ehrlich zu reflektieren. Das ist auf jeden Fall besser, als alles zu verdrängen. Denn die eigentliche Gefahr besteht darin, den Zugang zu den eigenen Gefühlen zu verlieren.
Eine andere Gefahr liegt allerdings darin, nur noch auf das Schlechte zu schauen und dabei all das Gute auszublenden. Genau dadurch kann man unbewusst selbst Fehler wiederholen. Wenn Eltern etwa sehr streng oder einengend waren, entsteht später oft der Wunsch nach einer besonders partnerschaftlichen Beziehung zu den eigenen Kindern. Das ist grundsätzlich etwas Gutes. Problematisch wird es erst dann, wenn aus Angst vor Strenge plötzlich gar keine Grenzen mehr gesetzt werden und grenzüberschreitendes Verhalten toleriert wird. Dann läuft man Gefahr, aus der Gegenbewegung heraus neue Fehler zu machen – und es am Ende nicht unbedingt besser zu machen.
Es liegt eine große Heilkraft darin, wirklich erwachsen zu werden. Vielleicht zeigt sich Reife genau darin, den eigenen Eltern rückblickend auch ihr Unwissen und ihre Begrenztheit verzeihen zu können. Denn unabhängig davon, wie sie waren oder was sie falsch gemacht haben: Sie sind ein Teil meiner Geschichte und damit auch ein Teil meiner Identität – und das wird immer so bleiben.
Menschvadder, Durchschnitt ist okay…
Ich lese gerade in der Movo (01/2026) einen Artikel darüber, wie wichtig es ist, man selbst zu sein und sich treu zu bleiben. Er spricht mich sehr an. Anders als die Überschrift vermuten lässt, geht es nicht nur um Liebe im klassischen Sinn – wie so oft in christlichen Zeitschriften –, sondern um etwas Tieferes. Der Autor beschreibt Liebe auf eine Weise, die genau den Kern dessen trifft, was mich gerade beschäftigt: Ich selbst empfinde mein Leben als eher durchschnittlich.
Ich lege gern Puzzles, spiele Karten und treffe Entscheidungen nicht leichtfertig – oft denke ich lange über mögliche Folgen nach. Ein Unternehmer oder Leistungssportler bin ich nicht. Und doch beschreibt der Artikel Liebe so, dass wir das, was wir tun, mit Hingabe und aus Überzeugung tun sollten – so oft wie möglich, auch wenn der unmittelbare Nutzen für andere nicht immer sichtbar ist.
Das verleiht dem Alltag eine besondere Bedeutung. Jeder Mensch ist wichtig, jeder hat seinen Platz, und aus christlicher Sicht ist jeder von Gott gewollt – denn Gott ist die Liebe. Manchmal bedeutet das auch, Zweiter zu sein oder Niederlagen hinzunehmen. Gerade im Leistungssport sieht man, wie nah Erfolg und Scheitern beieinanderliegen. Vielleicht liegt die größere Stärke darin, nach einer Niederlage wieder aufzustehen und sich neu auszurichten.
Das fällt mir nicht immer leicht. Niederlagen zu akzeptieren und mich neu zu orientieren gehört nicht zu meinen größten Stärken. Ich spüre zwar, wenn ich mal wieder über mich hinaus wachsen möchte – um im Bild des Autors zu bleiben: wenn der Schuh drückt –, aber ich habe gelernt, meine Grenzen anzunehmen und mich nicht mehr in jedes Abenteuer zu stürzen. Und das ist keine Schwäche. Je bewusster mir wird, dass unser Leben endlich ist, desto leichter fällt es mir, meine eigene Durchschnittlichkeit anzunehmen und mich an den vielen kleinen Geschenken des Alltags zu freuen.
Und damit bin ich wieder bei der Liebe.
Menschvadder, das Chaos ist perfekt….
Es wirkt, als wäre ein gewisses Maß an Unordnung bei uns zu Hause ganz normal – ob in den Schubladen, unter den Schränken, im Bad oder unter dem Bett. Wir geben uns Mühe, so gut wir können, und trotzdem scheint das Chaos nie ganz zu verschwinden. Ich habe den Eindruck, dass der Anspruch, alles perfekt zu machen und das eigene Zuhause stets makellos zu halten, sehr viel Energie kostet. Dabei steht doch eigentlich im Vordergrund, den Alltag gut zu bewältigen und sinnvoll mit der eigenen Energie zu haushalten.
Was am Ende wirklich zählt, ist das Gefühl, ein Zuhause zu haben – auch wenn dich das Chaos manchmal belastet. Wenn es dir zu viel wird, halte es einfach: Such dir eine kleine Ecke aus und fang dort an, wieder Struktur reinzubringen. Danach wirst du dich ziemlich sicher besser fühlen.
Ich habe den Eindruck, dass für manche Menschen eine oberflächliche Sauberkeit einen sehr hohen Stellenwert hat. Auch das ist in Ordnung. Natürlich sollte Besuch einen angenehmen Platz zum Sitzen finden, und es ist auch schön, wenn einem beim Barfußlaufen nicht gleich Krümel an den Füßen kleben. Aber solange die Schränke nicht aus allen Nähten platzen, findet sich meist immer noch irgendwo ein bisschen Platz.
Vielleicht muss man auch nicht alles dauerhaft aufbewahren. Dinge, die sich über Jahre ansammeln, regelmäßig neu zu sortieren und ein- oder zweimal im Jahr bewusst auszusortieren, kann sehr entlastend sein – diese Zeit sollte man sich nehmen. Es ist oft nicht die schiere Menge, die überfordert, sondern der fehlende Überblick. Wenn man gelegentlich prüft, wovon man sich trennen kann, und Unnötiges dann verschenkt, verkauft oder entsorgt, schafft das spürbar mehr Klarheit und Ruhe.
Und wenn dich die Zahnpasta im Waschbecken doch stört, dann scheue dich nicht, das Becken einfach selbst kurz zu reinigen.
Menschvadder, du liebe Zeit….
Gerade wenn man ohnehin wenig freie Zeit hat, ist es unglaublich schwer, sich den eigenen Kindern zu entziehen, wenn sich endlich ein Zeitfenster auftut. Gleichzeitig finde ich, dass es absolut erlaubt sein muss, den Kindern gegenüber ehrlich zu sagen: Heute brauche ich Zeit für mich – für meine eigenen Angelegenheiten oder einfach zur Erholung. Es ist deine Zeit und deine Energie.
Kinder dürfen darauf natürlich mit Enttäuschung oder Bedauern reagieren. Das gehört dazu. Wenn die Beziehung im Grundsatz stabil und liebevoll ist, halten sie das aus. Wirklich Gedanken würde ich mir eher dann machen, wenn es ihnen völlig egal wäre.
Doch Erwachsensein bedeutet zugleich, mit einem ständigen inneren Ringen zu leben: Bei vielen täglichen Entscheidungen meldet sich das schlechte Gewissen und stellt infrage, ob man alles richtig macht.
Vielleicht ist es eine steile These, aber ich würde behaupten, dass kein Vater dieser Welt seinen Kindern bewusst und mit voller Absicht Steine in den Weg legt. Wir handeln nach bestem Wissen und Gewissen – auch wenn wir dabei nicht fehlerfrei sind.
Erwachsensein bedeutet zugleich, mit einem ständigen inneren Ringen zu leben: Bei vielen täglichen Entscheidungen meldet sich das schlechte Gewissen und stellt infrage, ob man alles richtig macht.
Vielleicht ist es eine steile These, aber ich würde behaupten, dass kein Vater dieser Welt seinen Kindern bewusst und mit voller Absicht Steine in den Weg legt. Wir handeln nach bestem Wissen und Gewissen – auch wenn wir dabei nicht fehlerfrei sind.
Ich wünsche dir Zeit für all die Dinge, die dir wirklich wichtig sind. Und ich wünsche dir, dass du dir diese Zeit auch bewusst nehmen kannst – mit der nötigen Energie für all das, was in der Kindheit deiner Kinder entscheidend und prägend ist.
Vergiss dabei nicht: Deine Gesundheit gehört nicht mehr nur dir. Achte gut auf dich – auch das ist ein Geschenk an deine Kinder.
Kennst du das? Dieses „Warum ist mein Kind so schwierig?!“ – und im Kopf gleich das Echo: „Was mach ich nur falsch?!“
Versuch mal den Dreh: Stattdessen frag dich – „Wie kann ich ihm helfen?“
Klingt klein, macht aber riesig was mit deiner Haltung. Weg vom Frust, hin zur Verbindung.
Nicht meckern, sondern begleiten.
Denn meist steckt hinter dem Verhalten kein böser Wille, sondern ein echtes Bedürfnis. Was will mir das Verhalten zeigen?
Du beobachtest dein Kind also eingebettet in (aktuelle) Zusammenhänge und siehst sein Verhalten nicht als feststehenden Charakter-Makel.
Der Punkt ist: Verhaltensauffälligkeiten nicht gleich als „Störung“ abstempeln.
Statt auf das zu schauen, was nicht klappt, lieber fragen: Welche Stärke steckt dahinter?
Oft geht’s gar nicht um „Fehler“, sondern um noch fehlende Fähigkeiten. Kinder müssen manche Dinge einfach erst lernen – mit unserer Unterstützung, Geduld und Ermutigung. So wird aus „Problemverhalten“ ein Lernprozess.
Dein Kind wirkt aggressiv? Dahinter kann Stärke stecken – der Mut, eigene Grenzen zu setzen und für sich einzustehen.
Bringt dich seine Ungeduld auf die Palme? Vielleicht steckt Neugier, Energie und Tatendrang dahinter. Hier wird in einem Problem seine Stärke sichtbar.
Statt dich zu fragen, „Warum ist mein Kind so schwierig?“,
könnte die bessere Frage sein: „Was fehlt ihm noch, um mit der Situation klarzukommen?“ ein
Ein Ziel ist es, unseren Kindern beizubringen, mit Problemen und Veränderungen im Leben klarzukommen.
Wenn du das erkennst, kannst du deine Energie dahin lenken, es beim Lernen zu unterstützen, statt dich in endlosen Machtkämpfen zu verlieren.
So wird aus Stress wieder Zusammenarbeit. Dann kannst du das Drohen und Strafen endlich lassen und das große Ganze besser erkennen und erlebst dich wieder als stark und handlungsfähig.*
Eine persönliche Erfahrung: etwas Einfallsreichtum schadet nicht. Ich berede gerne Sachen, aber dabei soll’s nicht bleiben. Viel mehr muss es hier sein Gleichgewicht geben. Meine investierte Energie muss im Verhältnis zum Lernerfolg stehen. Das bedeutet in Umkehrschluss, das Erfolge sich nicht automatisch einstellen. Das Kind muss also meine Mühen mitbekommen und es muss Folgen haben, wenn sich Lernerfolg nicht einstellt nach einer gewissen Zeit.
*Der Text ist eine Zusammenfassung vom folgenden Artikel, der am 4.11.25 auf eltern.de erschienen ist (https://www.eltern.de/familie-urlaub/aggressiv–wild–ungeduldig–mit-diesem-satz-findest-du-zugang-zu-deinem–schwierigen–kind-13587070.htm).
Im Grunde gut
Es besteht ein Unvermögen zuzugeben, dass neben Problemen auch Lösungen exponentiell wachsen können.
Ein Buch, das den Blick auf das Weltgeschehen, auf diese Welt und die Menschen um uns herum positiv beeinflussen kann. Rutgar Bregmann zieht hier Schlüsse aus der neueren Geschichte der Menschheit und belegt seine These, das wir Menschen im tiefsten Inneren gut seien, indem er sich mit Philosophen und dem Schicksal verschiedenster Menschen aus den Epochen der Neuzeit im Buch auseinander setzt. Der Autor stellt Fragen von zentraler Bedeutung:
- Ist der Mensch im Grunde gut, aber nur einfach manipulierbar?
- Ist die Wurzel allen Übels einfach das wir sesshaft geworden sind und große und komplexe Gesellschaftsstrukturen aufgebaut haben?
- Ist eher die Gruppendynamik manchmal problematisch, so dass wir uns im Kollektiv in einen Rausch versetzen und schlimme Dinge anrichten? Wir und eben die anderen… Gibt’s die anderen überhaupt?
- Macht und Kameradschaft blind für die Folgen unseres Handelns?
- Fällt es uns einfach nur schwer, voraus zu laufen und uns von anderen abzugrenzen und Nein zu sagen, wenn wir nein meinen. Statt verunsichert darauf zu schauen was sie anderen machen?
Seine Thesen, wann das Gute in uns am ehesten zum Vorschein käme:
- Wenn wir damit anfangen würden, schon bei unseren Kindern alte Muster loszulassen und die Kindheit und den Forscherdrang fördern
- Wenn wir das Spiel wieder entdecken um die eigene Motivation wieder zu beflügeln, statt wie Roboter Tag ein Tag aus nur zu funktionieren
- Wenn das ständige Vergleichen aufhört und wir uns auf unsere individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten besinnen und die Leistung anderer würdigen
- Wenn die unterschiedlichen Menschentypen und Gesellschaftsschichten die eigenen Grenzen überwinden und näher zusammenrücken
Und schließlich beschreibt der Autor auch ein mögliches Wie:
- Lasst uns das klassische Schulmodell überdenken und auf natürliche Weise das Lernen von und mit einander fördern
- Lasst uns die Demokratie wie eine Demokratie gestalten und durch mehr Bürgerbeteiligung in gesellschaftlichen Fragen echte Gemeinschaft schaffen
- Lasst uns gegenseitig mit Vertrauen begegnen
- Lasst uns Freiräume schaffen, damit ein jeder sich entfalten kann und seine Talente dazu nutzen kann, für die Gemeinschaft gutes zu tun und darauf vertrauen, das die Menschen im tiefsten innersten auch etwas zurückgeben wollen. Und zwar freiwillig.
Eigenheiten in uns Menschen, die natürlichen Ursprungs sind, kommen auch zur Sprache.
Wir Menschen neigen dazu, immer eher das Schlechte zu sehen, was biologisch gesehen früher bei Gefahr von Vorteil gewesen ist und heute eher nachteilig. Doch die gute Nachricht ist, das Gute kommt einfach öfter vor.
Menschvadder, die Routine ruft…
Die Sommerferien sind vorüber. Sechs Wochen voller Unterhaltung, Freude und Abwechslung liegen hinter mir. Ich fühle mich gestärkt und starte mit frischer Energie in die nächste Etappe – zurück in den Familienalltag.
Doch mir ist bewusst, dass diese Kraft nicht dauerhaft anhalten wird. Mit der Zeit wird sie sich langsam erschöpfen, bis schließlich wieder nur die Routine bleibt – das reine Funktionieren, das Überleben.
Ein Gedanke beschäftigt mich: Ist es nicht an der Zeit, wieder etwas Neues zu wagen? Ich ertappe mich dabei, nach freien Stellen in meinem Kalender zu suchen. Mein Interesse an Teamsport und regelmäßigem Training flammt gerade wieder auf. Gleichzeitig weiß ich, dass es auch die Abende geben wird, an denen ich froh bin, einfach zur Ruhe zu kommen und Kraft zu sammeln. Noch mehr Gelegenheiten, mich völlig auszupowern, brauche ich vielleicht gar nicht.
Wenn ich weiter darüber nachdenke, merke ich, dass ich im Moment wohl an meine Grenzen stoße. Eigentlich bin ich mit meinem Leben zufrieden – und doch stört es mich, dass ich mich zurücknehmen muss. Ich habe es geschafft, echte Gemeinschaft mit Menschen in meinem Umfeld aufzubauen, und das hat für mich eine hohe Priorität und fordert mich. Auch in meinem Job bin ich zufrieden, dort zählt ebenfalls die Teamleistung sehr viel. Würde ich also etwas Neues integrieren wollen, müsste ich zwangsläufig auf etwas anderes verzichten. Aber genau das will ich eigentlich nicht.
Ich spüre, wie schwer es mir fällt, meine eigenen Grenzen zu akzeptieren. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung: nicht immer weiterzugehen, sondern auch stehenbleiben zu können. In der Routine erscheint mir das leichter, fast selbstverständlich. Doch sobald ich darüber hinaus will, stoße ich an diese unsichtbaren Mauern. Vielleicht gehört es zum Menschsein, dass wir uns an Grenzen reiben – weil wir ohne sie keine echte Entwicklung spüren würden.