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Menschvadder, helfen und loslassen….

Zwischen Helfen und Loslassen:

Es ist manchmal verdammt schwierig, bei den eigenen Kindern das richtige Maß zu finden. Wann brauchen sie uns wirklich? Wann sollten wir helfen? Und wann ist es vielleicht besser, sich zurückzuhalten und sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen?

Manchmal beschleicht mich dabei das Gefühl, mich selbst ein Stück weit aufzugeben. Hier noch schnell mithelfen, dort noch etwas Gutes tun, eine Aufgabe übernehmen, einen Konflikt vermeiden. Und das alles neben dem ganz normalen Trubel, den das Leben ohnehin schon mit sich bringt.

Dabei hat das Ganze auch etwas mit der eigenen Einstellung zu tun. Denn seien wir mal ehrlich: Nach all den Jahren, in denen die Kinder uns nahezu ununterbrochen gebraucht haben, ist es doch auch schön, wenn langsam etwas Licht am Horizont erscheint. Wenn das eigene Leben wieder ein bisschen spontaner werden darf. Wenn man sich selbst und den eigenen Bedürfnissen wieder etwas mehr Raum geben kann.

Schließlich sind auch wir Eltern nur Menschen. Mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Grenzen.

Ich habe mich lange schwer damit getan, hier das richtige Maß zu finden. Und eigentlich tue ich das noch immer. Es ist ein ziemlicher Eiertanz zwischen Fordern und Fördern, zwischen Unterstützen und Loslassen. Was kann ich meinen Kindern in welchem Alter zumuten? Wann ist Hilfe angebracht? Wie lange sollte sie dauern? Und vor allem: Wie komme ich aus der Nummer wieder heraus, ohne dass gleich der nächste Konflikt entsteht?

Ein Beispiel aus unserem Familienalltag hat mir dazu in letzter Zeit einiges vor Augen geführt.

Unser Großer trägt einmal in der Woche Zeitungen aus. Ich finde das eine tolle Sache. Er übernimmt Verantwortung, verdient sein eigenes Geld und erfährt ganz nebenbei, dass Geldverdienen eben auch mit Arbeit verbunden ist. Für seine rund 50 Euro im Monat darf er sich durchaus ein bisschen anstrengen.

Allerdings merke ich auch, wie schwer ihm das manchmal fällt. Die ganze Woche Ganztagsschule, dazu Sport und all die anderen Anforderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen. Da kann ich schon verstehen, dass die Begeisterung am Samstagmorgen überschaubar ist.

Und dann ist da natürlich noch der innere Schweinehund. Den kenne ich schließlich selbst gut genug. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, eine unangenehme Aufgabe abzukürzen oder aufzuschieben, dann ist die Versuchung eben groß.

Bei uns führen solche Situationen leider immer wieder zu Konflikten. Und gerade bei dieser Sache wollte ich das vermeiden. Ich wollte nicht, dass das Zeitungsaustragen zu einem weiteren wöchentlichen Streitthema wird. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht, dass er die Sache einfach hinschmeißt, sobald es schwierig wird.

Also haben wir uns etwas überlegt.

Wir haben einen kleinen Vertrag geschlossen. Für ungefähr drei Monate unterstütze ich ihn jeden Samstag eine Stunde beim Zeitungsaustragen. Allerdings unter bestimmten Bedingungen: Ich stehe nur bis spätestens 10 Uhr zur Verfügung, und die Zeitungen müssen bis zu einer vereinbarten Uhrzeit ausgetragen sein.

Mir war dabei wichtig, dass es seine Aufgabe bleibt. Ich helfe ihm, aber ich übernehme nicht seine Verantwortung. Schließlich verdient er das Geld und nicht ich.

Und siehe da: Er hat das Angebot dankend angenommen. Mehr noch, er scheint plötzlich motivierter zu sein als je zuvor.

Vielleicht liegt es daran, dass die Aufgabe für ihn überschaubarer geworden ist. Vielleicht daran, dass er weiß, dass er nicht alles allein schaffen muss. Oder einfach daran, dass wir aus einer Situation, die vorher regelmäßig für Ärger gesorgt hat, etwas Gemeinsames gemacht haben.

Wir haben die Vereinbarung bewusst zeitlich begrenzt und schriftlich festgehalten. Nach und nach möchte ich meine Unterstützung reduzieren. Irgendwann helfe ich nur noch eine halbe Stunde. Und schließlich soll er die Aufgabe wieder vollständig allein übernehmen.

Ob das alles so funktioniert, wird sich zeigen. Mit Kindern läuft schließlich selten alles nach Plan.

Aber ich glaube, dass wir damit einen ganz guten Weg gefunden haben.

Denn vielleicht liegt genau darin die Kunst des Elternseins: nicht jede Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen, aber auch nicht einfach zuzusehen, wenn die Kinder daran zu scheitern drohen.

Manchmal brauchen sie einen kleinen Schubs. Manchmal eine helfende Hand. Und manchmal eben auch jemanden, der ihnen zutraut, dass sie es allein schaffen.

Für mich ist diese kleine Geschichte jedenfalls auch eine Mahnung an mich selbst. Gerade dann, wenn ich glaube, dass die Kinder doch inzwischen groß genug sein müssten, um bestimmte Dinge allein hinzubekommen.

Sie werden selbstständiger. Sie brauchen uns anders als früher. Aber sie brauchen uns eben immer noch.

Vielleicht bedeutet Loslassen gar nicht, weniger für seine Kinder da zu sein. Sondern ihnen so zu helfen, dass sie uns irgendwann an genau dieser Stelle nicht mehr brauchen.

Und vielleicht ist das auch für uns Eltern ein ganz guter Weg, langsam wieder ein bisschen mehr bei uns selbst anzukommen.

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